YOLO – oder die Kunst das Leben zu genießen

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Seit Kurzem bin ich auf die “Gegenseite” übergetreten ;-). Ich arbeite jetzt nicht mehr nur für die Mamas, sondern auch für die Kinder. Hihi. Die Wahrheit ist, ja, dass ich immer schon für die Kinder arbeite. Glückliche Mama - glückliche Kinder...und so. :-)

Aber jetzt mach ich's ganz offiziell und zwar mit einer Gruppe Kinder im Grundschulalter als Wahlunterricht in der Ganztagsschule. Das Fach heißt: YOLO: You only live once. Du lebst nur einmal. Es geht ums glücklich sein. Im jetzt sein. Das Leben genießen. Die Kinder nennen es einfach Glück AG. Das verstehen auch die Eltern besser.

Ich finds kraftvoll und bin so begeistert und voller Tatendrang, den Kindern Dinge zu vermitteln, die sie in der Schule bis jetzt nicht gelernt haben. Es ist quasi sogar ein gewisser Widerspruch vorhanden. Im Rahmen der „normalen“ leistungs- und wertungsgesteuerten Schule diesen Rahmen zu sprengen und den Kindern zu vermitteln, dass sie mit oder ohne Noten genauso wertvoll sind. Einfach nur wie sie sind. Mit all ihren Fehlern, Makeln – oder ich nenne es lieber Besonderheiten, Einzigartigkeit, Stärken und alles was sie zu dem Wesen macht, das sie sind.

Schon in der kurzen Zeit, die ich bisher das Glück hatte mit diesen jungen Menschen zu verbringen, habe ich gelernt: WERT ist ein wichtiges Thema für sie. Aber leider etwas verdreht. Es wird nämlich viel be-wert-et. Noten. Kleider. Wer ist besser als der andere. Wer ist beliebter.

So sehr, dass es mir erst mal als richtige Herausforderung ins Gesicht gesprungen ist. Puh. Ich bewerte meine Kinder gar nicht so. Und bei mir lernen sie auch, dass Schule zwar ein wichtiger Teil dieses Lebens ist, um sich das im Außen zu verwirklichen, was man möchte. Aber es ist auch nur ein Teil. Er bestimmt nichts über meinen Wert, meine Identität oder wie ich mich fühle.

Meine Kinder lernen von mir, dass die Lehrer gutgemeinte Helfer sind, aber nicht Gott. Wenn die Lehrerin von meinem 8jährigen ihm schon in der zweiten Klasse sagte, dass er häßlich schreibt, habe ich laut gelacht und ihm gesagt: “Die hat ja keine Ahnung! Du schreibst wunderschön! Du hattest halt einfach keine Lust und das ist dein Recht!“ Mein Sohn sagte dann: “Mama, das sagst du jetzt nur, weil du meine Mama bist und alles schön findest, was ich mache.“ Stimmt. Trotzdem habe ich auch Recht. Nie ist etwas häßlich. Oder falsch. Oder richtig. Es ist einfach eine Entwicklung. Leider lernen die Kinder in unserem gängigen Schulsystem nicht, dass sie ohne Leistung genauso viel wert sind. Auch wenns in den pädagogischen Konzepten irgendwo alles drin steht. Am Ende fangen die Kinder auch ganz früh an zu be-werten. Sich selbst. Ihre Freunde. Wer besser ist. Wer besser malen kann. Cooler gekleidet ist. Sogar bei meinem Kleinsten im Kindergarten (er ist 3!!!!!) geht das schon los. Ich bin echt ein bisschen schockiert.

Deshalb bin ich auch begeistert, die Chance zu haben, mit YOLO einen kleinen Unterschied zu machen. Ich bin gespannt, ob ich es schaffe, die Kinder zu erreichen. Durch ihre gewohnte Bewertung durchzudringen. Und wert-zu-schätzen. Mehr das zu sehen, was eine Stärke ist und was toll ist am anderen. Und nicht so kritiksüchtig und fehlerorientiert zu sein. Jeder Mensch ist wertvoll. Kleine und große. Schwarze und weiße. Dicke und dünne. Lustige und traurige. All diese Kontraste spiegeln ja gar nicht die Wirklichkeit wider. Jeder ist ein bisschen von allem. Der Rest ist erfundene Geschichte. Wir sind doch alle gleich. Esoterisch-spirituelles Gerede? Nein! Wir sind alle Menschen und alle Bewohner dieses Planeten.

Neulich beim Spaziergang las ich ein Plakat der Grünen (muss ich das jetzt als Werbung markieren? Hm…also ich mach’s lieber mal: also das ist jetzt wohl Werbung für die Grünen), auf dem stand: wir haben keinen Planeten B. Das fand ich einen total starken Spruch! Mein 8jähriger denkt verantwortungsvoller, als die meisten Erwachsenen, die ich kenne. Wir sprechen über Mülltrennung (und tun es dann auch!), er plant eine Plastik-frei-Woche, freut sich über das Tierschutz-Zertifikat auf unserer Milchpackung (leider noch Tetra, weil die verpackungsfreie Woche noch nicht da ist) und lebt selbst bestimmt (fast) vegetarisch, weil er nicht will, dass Tiere leiden. Er schlichtet in der Schule oft Streit, weil er meistens beide Seiten sehen kann, er sagt seinen Freunden, dass er sie mag. All das finde ich beachtlich für einen 8jährigen. und doch sehe ich ganz viele 8jährige, die so ticken. Und Daran kann ich ablesen, dass unsere Kinder wirklich unsere Zukunft sind.

Selbstverständlich? Eigentlich schon. Alle Kinder sind besonders und aufs Positive ausgerichtet. Wenn wir sie lassen. Aber das wird ihnen ja in der Schule ja regelrecht abtrainiert. Sorry. Vielleicht verallgemeinere ich hier zu sehr. Ich weiß, dass es viele wundervolle Lehrer und Lehrerinnen gibt, die versuchen, dass das nicht so ist. Ich habe selbst das große Glück, dass meine Kinder solche tollen Lehrer haben. Aber leider lässt das System trotz guter Lehrer nicht viel Platz für Individualität, für Bedürfnisse, für Gefühle. Für Wertschätzung.

Das wäre doch mal was, wenn das beWERTen nicht auf Fehler rot anmarkieren basieren würde, sondern den Wert des Kindes hervorzuheben. Was es alles richtig gemacht hat. Würden die Lehrer alles gelb anstreichen, was die Kinder richtig gemacht haben, würden die Hefte leuchten! Davon träume ich.

Ich wirke ruhig, lehre Entspannung und Meditation für Mamas. Aber in Wahrheit bin ich innerlich sehr rebellisch. Eine Träumern. Kämpferin. Dafür, dass jeder Mensch das Recht hat, glücklich zu sein und sich selbst zu verwirklichen. Das das Leben Freude macht. das es leicht sein kann - inklusive das Mamasein. Ich werde niemals aufhören, darüber zu sprechen, zu schreiben, zu träumen.

Und es den Kindern zu sagen. Dass sie nur einmal leben. Und dass nur sie ihr Leben leben. Niemand anderer. Nur weil die Eltern bestimmen können ist es noch lange nicht ihr Leben. Es ist ihnen nur anvertraut. Dieses Vertrauen dürfen wir Eltern nicht missbrauchen. Deshalb ist es das Kraftvollste, was du als Mama machen kannst, für dich selbst zu erkennen, was DEIN Leben für DICH bedeutet. Du kannst für dich entspannen, aufladen, glücklich sein. Dein Leben genießen, im Hier und Jetzt sein. Weise und kraftvolle Entscheidungen treffen, was du willst im Leben. Das tun, was dich erfüllt. Wenn du das für dich tust, tust du es auch für deine Kinder. So leicht ist das.

Den Rest machen die Kleinen von ganz alleine. Sie sind kompetent, kraftvoll und alles andere als klein. Kinder sind große Schöpfer. Aber wenn wir ihre Schöpferkraft schon im Grundschulalter unterdrücken, woher sollen sie dann lernen, ihr Leben zu verwirklichen? Und zwar frei von unseren Ängsten, Schuldgefühlen und Erwartungen.

Das ist mein Traum. Ich gebe jeden Tag mein Bestes, um das meinen Kindern zu ermöglichen. Und weiß, dass ich immer wieder Fehler mache und scheitere. Aber auch das gehört dazu. Ich verzeihe mir meine Fehler. Und gehe weiter. Das Wichtigste ist die Absicht und danach zu handeln. Nicht nur Reden. Auch tun.

Und meine Absicht ist es so viele Mamas und Kinder wie möglich zu erreichen und ihnen zu sagen: du bist einzigartig und wertvoll und perfekt, genau so wie du bist!

Genieße bitte dein Leben und zwar heute. Dazu muss sich nichts im Außen verändern. Die Medien verarschen dich (sorry für die Wortwahl!)! Du brauchst nicht das Haus, den Job, die Kleider oder die guten Noten, um dich gut zu fühlen! Dein Leben ist genau richtig so, wie es jetzt genau in diesem Moment ist. Mit allen tollen, aber auch nicht so tollen Aspekten. Es ist nämlich alles im Wandel. Es kann alles besser werden. Gehört aber alles dazu. Gehört alles zum Weg. Wenn du den Weg genießen kannst hast du im Lotto gewonnen. Dein ganzes Leben ist nämlich dieser Weg. Du kommst niemals an. Es geht immer weiter. Das einzige, was du jemals erreichen kannst, ist, jetzt in diesem Moment zufrieden zu sein. In deinem inneren. Mit dir selbst. Mit der Welt. Mit deinem magischen Zusammenspiel, das sich Leben nennt. Mit deinen wundervollen Kindern, Partnern, Kollegen, Ereignissen, Dingen, Umständen.

Je früher du anfängst, dich und das um dich herum zu wertschätzen, um so mehr kannst du den Moment genießen. Heute heute sein lassen. Im Jetzt sein. You live only once. YOLO. Ich hoffe, dass ich das meiner Yolo-Gruppe in der Schule vermitteln kann. Ich hoffe, dass ich noch mehr von ihnen dazu lernen darf. Ich hoffe, dass ich es als Mama an meine Kinder weitergebe. Ich hoffe, dass ich es selbst immer noch mehr lebe.