Emotionsleiter

Hallo!

Bevor wir in die heutige Übung einsteigen, möchte ich kurz auf ein wichtiges Thema eingehen: manchmal, wenn man Gedanken oder Gefühle beobachtet, kommt es einem nämlich so vor, als wären es plötzlich mehr als zuvor. Oder als wären sie stärker. Das ist aber nicht so. Man lenkt nur seine Aufmerksamkeit darauf. Das ist so ähnlich, wie wenn man auf die Geräusche im Raum achtet. Und plötzlich fällt einem das Ticken der Uhr auf, das Rauschen der Heizung, die Säge draußen im Innenhof,... man hat es vorher aber gar nicht bemerkt, weil das Gehirn es ausgeblendet hat.

In der ersten Übung in diesem Modul hast du ja Gedanken “gesucht”, die mit einem Gefühl verknüpft sind. Das war dafür gut, um den Mechanismus zu verstehen. Natürlich ist es nicht nötig, sich Gedanken zu suchen und Gefühle zu “produzieren”, die vorher gar nicht da waren. Also quasi Probleme zu schaffen. Es reicht, einfach die Gedanken und Gefühle zu beobachten, die sowieso schon da sind. Das hilft zu verstehen, wie die (negativen) Gedanken und Gefühle unsere Aufmerksamkeit besetzen. Und den Platz für Positives.

Natürlich haben wir aber täglich auch Gedanken und Gefühle, die völlig berechtigt sind. Weil wir z.B. gerade ein akutes Problem haben. Es geht hier keinesfalls darum, Gefühle “weg machen” oder “weg atmen” zu wollen oder nicht zu würdigen. Ganz im Gegenteil. Wenn wir ein Problem haben, ist es wichtig, das Gefühl voll und ganz wahrzunehmen und anzunehmen und zu erlauben, sonst können wir es nicht verarbeiten und verdauen. Da wir Mamas tagtäglich so viel zu verdauen und zu bewältigen haben, finde ich es deshalb auf dem Weg hin zu mehr Gelassenheit essentiell, die eigenen Gefühle wahrnehmen und transformieren zu können. Denn weil ja täglich Neues dazukommt, ist es gut, immer mal wieder ein paar alte Steine aus dem Rucksack rauszuwerfen.

Und deshalb gibt es jetzt noch eine weitere Übung zum Transformieren von Gefühlen, die man wie eine Meditation mit geöffneten Augen einfach in den Alltag einbauen kann, wenn es mal stressig ist:

 

Die “Emotionsleiter"

Bitte drucke dir zuerst die PDF zu diesem Tag aus (oder speichere sie auf deinem Computer unter einem neuen Namen ab, dann kannst du sie auch interaktiv bearbeiten).

Du siehst darauf eine Leiter, die in 3 Bereiche eingeteilt ist:

“UNTEN”: hier sind die negativen Gefühle, die dich herunter ziehen

“MITTE”: In der Mitte sind die "so la la" Gefühle. Hier ist ein Bereich, in dem eine Verwandlung statt findet, wie eine Brücke, die von den negativen Gefühlen zu den positiven hinleitet.

“OBEN”: hier sind die positiven Gefühle, die dich aufbauen, dir Kraft geben. Hier bist du in deinem höheren Selbst und kannst auf dein höchstes Potenzial zugreifen.

 

Wenn du nun durch deinen Tag gehst und beobachtest, dass du negative Gefühle zu einem Thema hast (z.B. Frustration, weil das Kind wieder mal das Essen verweigert oder Überforderung, weil die Hausarbeit einfach zu viel ist oder Angst vor einem neuen Projekt in der Arbeit), dann setze dich abends mal hin und nimm die PDF zur Hand und schau mal, wo du auf der Leiter dieses Gefühl hinsetzen würdest. Nimm einen Stift, versuche, deinem Gefühl einen Namen zu geben (z.B. “Angst”, “Überforderung”, "Langeweile", "Begeisterung", "Liebe",...) und schreibe ihn in die Leiter hinein. Setzt du es ganz unten auf die Leiter, weil es sich ganz schwer anfühlt? Oder ist das Gefühl nicht ganz so negativ und du platzierst es näher am Bereich “Mitte”? Fühl mal rein, wo auf der Leiter du mit diesem Gefühl stehst...

Überlege dir nun: könnte ich mir vorstellen, nur einen Schritt weiter auf der Leiter hoch zu klettern? Was müsste passieren, dass mir das gelingt? Was wartet auf der nächsten Sprosse auf der Leiter auf mich? Wie könnte eine kleine Verbesserung aussehen? Wie würde ich mich dann fühlen?

(Bezogen auf die Beispiele weiter oben: vielleicht, dass mein Kind wenigstens mal probiert oder wir gemeinsam eine Liste erstellen, was er/sie denn alles gerne isst...bzw. ich überlege mir, wie ich den Haushalt noch mehr vereinfachen kann…bzw. ich überlege, welche Hilfe ich in der Arbeit anfordern will, damit das Projekt machbar erscheint…)

Kannst du dir diesen einen kleinen Schritt vorstellen, diese eine Sprosse nach oben auf der Emotions-Leiter? Wie fühlt sich das an?

Oft überfordern wir uns nämlich, weil wir sofort ganz nach oben wollen. Aber Schritt für Schritt etwas zu verändern oder zu verbessern ist viel leichter. Einfach erst mal nur einen Schritt weiter nach oben. Wirklich, das ist so essenziell. Denn das ist auch stabil und sicher und bleibt dann meistens auch ohne Absturz. Und am nächsten Tag steigst du vielleicht noch einen Schritt weiter und eine Woche später noch einen und... :-)

Und wie immer gilt: natürlich kannst du auch die positiven Emotionen auf der Leiter einordnen und fühlen, wie du sie sogar NOCH mehr genießen kannst :-)

Und hier nun noch die alltagstaugliche Version, wenn du "mitten drin" im Alltags-Chaos steckst:

Wenn du gerade mitten in einem intensiven Gefühl drinsteckst, weil dein Kind in diesem Moment vielleicht ganz schrecklich traurig ist und du fühlst dich verzweifelt, weil du ihm nicht helfen kannst (das ist jetzt nur ein Beispiel - ersetze es einfach mit deiner gegebenen Situation). Dann stelle dir nur ganz kurz vor, wo du mit diesem Gefühl auf der Leiter stehst: unten, mittig oder oben. Atme einmal tief durch. Und stelle dir vor, wie du nur eine Sprosse hoch steigst. Was findest du hier? (In meinem Beispiel: vielleicht einfach Akzeptanz, dass sich ein Kind jetzt so fühlen darf, dass es so sein darf, dass du in diesem Moment nichts ändern kannst und es einfach nur im Arm hältst. Du fühlst dich vielleicht nicht sofort super gut, denn schließlich ist dein Kind gerade traurig. Aber du bist auch nicht mehr so verzweifelt; du kannst die Situation für den Moment schon mal besser annehmen). Und schaue, wie du dich jetzt fühlst, wenn du eine Sprosse weiter hoch geklettert bist.


Ich wünsche dir nun viel Spaß beim Klettern und freue mich auf Kommentare unter dem Beitrag.

 

Überblick- was ist zu tun:

  1. Drucke die PDF aus

  2. Ordne ein Gefühl, das dich beschäftigt, auf der Leiter ein (negativ unten, positiv oben oder irgendwo dazwischen) - wo stehst du mit diesem Gefühl auf der Leiter? Wie heißt dein Gefühl? Schreibe es in die Leiter.

  3. Überlege dir nun, was passieren müsste, damit du nur einen Schritt/ eine Sprosse weiter nach oben steigen kannst. Frage dich: kann ich diesen einen Schritt hochsteigen? Wie fühlt sich das an?

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