Gedanken-Gefühls-Verknüpfung

Hallo und herzlich willkommen in Modul 2!

Den heutigen Beitrag kannst du dir auch als Audio-Version anhören (siehe unten).

Hier dreht sich nun alles um Emotionen und Gefühle. Die machen uns nämlich oft zu schaffen und meistens leider auf eine sehr subtile Weise.

Was wir oft gar nicht so bemerken ist, dass die Emotionen sehr eng mit den Gedanken verknüpft sind. So kann ein Gedanke ein Gefühl auslösen (oder auch anders herum) und tut es auch oft. Meistens fällt uns das aber nicht mal auf. Es passiert unbewusst.

Hier ein paar Beispiele:

  • Es ist Sonntag Nachmittag, schönes Wetter, alles ist gut, die Kinder spielen schön und du sitzt mit einer Tasse Kaffee entspannt in deinem Lieblingssessel. Plötzlich denkst du an Montag früh und dass du da in die Arbeit musst und welche Berge von Papier da auf dich warten. Und du fühlst dich plötzlich beklemmt.

  • Mein Sohn bekommt total die Glücksgefühle, wann auch immer er an seinen Geburtstag denkt. Das kann auch 364 Tage vorher schon beginnen ;-)

  • Wenn man einen Vortrag halten muss oder ähnliches und vielleicht eher schüchtern ist, dann kann der Gedanke daran Nervosität, Angst etc. auslösen.

Da viele dieser Gedanken-Gefühle sich direkt auf den Körper auswirken können (z.B. Schweißausbrüche bei Nervosität, Übelkeit bei Angst, Bauchkribbeln bei Aufregung…) wird in der Wissenschaft mittlerweile von der Mind-Body-Connection gesprochen.

Deine Gedanken sind also direkt verknüpft mit Gefühlen und das kann sich auf deinen Körper auswirken. Stress wirkt sich definitiv negativ auf den Körper aus. Das wurde schon durch viele wissenschaftliche Studien belegt.

Die gute Nachricht ist: es ist ganz einfach, etwas zum Positiven zu verändern.

Das Wichtigste hast du in diese Richtung schon in Modul 1 getan: du hast geschafft, ein wenig Distanz zwischen dich und deine Gedanken zu bringen. Du hast festgestellt, dass deine Gedanken zwar von dir gedacht werden, du aber nicht deine Gedanken BIST. Das bedeutet, du kannst WÄHLEN, worauf du deine Aufmerksamkeit lenkst.

Mit den Emotionen ist es dann schon ein wenig trickreicher. Die hängen sich so schnell an einen Gedanken dran, das man es gar nicht mitbekommt. Aber ganz sanft, mit Geduld und (wieder) Beobachtung kommt man auch den Emotionen auf die Schliche.

Ich habe nämlich festgestellt (ganz subjektiv, das ist jetzt nicht wissenschaftlich belegt, sondern nur mein eigenes persönliches Gefühl), dass so ca. 95% all der Gefühle/Emotionen nicht echt sind. Mit “nicht echt” meine ich, dass sie gar nichts mit diesem Moment zu tun haben.

Denn es ist so, dass Gedanken ganz subtil und oft unbemerkt Gefühle hochbringen von Ereignissen, die schon längst vorbei sind. Manchmal schon Jahre. Eigentlich ist das Thema schon abgehakt, aber aus Gewohnheit geht der Verstand immer wieder hin. Und aalt sich in den alten Gefühlen.

Oder die Gedanken drehen sich um Dinge, die noch gar nicht da sind, also Zweifel, Sorgen, Ängste über die Zukunft. Ich will damit nicht sagen, dass man nie Zukunftsängste haben darf. Zu einem gewissen Teil ist das normal und menschlich. Aber nicht in dem Ausmaß, dass es einen Großteil unserer Wahrnehmung besetzt, die wir für Freude, Genießen, Frieden im JETZT nutzen könnten.

Ein kleiner Prozentanteil unserer Gefühle ist wirklich "echt" und authentisch. Damit meine ich: jetzt in diesem Moment. Egal ob Wut, Angst, Freude, Liebe… Alle Gefühle sind wichtig, egal ob positiv oder negativ. Denn auch negative Gefühle haben eine wichtige Funktion in unserem Leben. Wut z.B. kann einem oft den nötigen Anstoß geben, um etwas zu verändern. Diese Gefühle, die in diesem Moment stattfinden, nenne ich “authentische" oder "echte” Gefühle.

Unsere Kinder habe hauptsächlich noch diese echten Gefühle. Sie können sie meistens noch rauslassen und dann auch wieder loslassen und dann ist gut. Mein 7jähriger Sohn z.B. überrascht mich immer wieder damit, wie schnell er etwas verzeihen kann und dann ist das auch völlig vergeben und vergessen. Oder wie ehrlich Kinder oft zeigen, ob sie jemanden mögen oder nicht. Ganz direkt. Aber wenn wir im Erwachsenenalter angelangt sind, haben wir dieses „echte“ Fühlen oft zum großen Teil verlernt.

Und das ist nicht gut. Denn diese authentischen Gefühle sind ganz wichtige Anzeigetafeln, wo wir stehen. Es ist wichtig, sie lesen zu können, um dann die Richtung zu bestimmen, in die man gehen will. Um die Gefühle erst mal anzunehmen und dann aufsteigen, leichter werden oder sich auflösen zu lassen, wenn sie negativ sind und uns herunter ziehen. Um Schritt für Schritt selbstbestimmt zu leben, frei von der Abhängigkeit vom Verstand oder den Gefühlen. Denn es gilt dasselbe wie mit den Gedanken: du denkst deine Gedanken, nicht deine Gedanken denken dich. Und du fühlst deine Gefühle. Sie fühlen nicht dich. Du kannst lernen, mit ihnen so umzugehen, dass sie sanfte Begleiter deines Lebens sind, die dir den Weg weisen, aber nicht deine Lebensqualität bestimmen.

Wir wollen nun in diesem Modul beobachten, wie manche Gedanken in uns Gefühle hochbringen können. Wir wollen diese Gefühle erst mal einfach da sein lassen. Ohne Wertung. Einfach mal wahrnehmen. Und die Zukunftsängste ganz liebevoll betrachten und wählen, ob das wirklich alles so schlimm und bedrohlich ist. Oder ob der Verstand auch da einen Streich spielt.

Denn so blöd man sich auch vorkommt, wenn man das hört: unser Verstand hat sich leider seit der Steinzeit (emotional zumindest) nicht sehr weiterentwickelt. Während wir kognitiv große Sprünge in der Menschheit vollbracht haben, ist unser emotionaler Verstand leider immer noch wie ein Neandertaler. Der Verstand kennt nur 2 (emotionale) Reaktionen: Flucht oder Angriff.

Flucht sieht so aus, dass wir was in uns hinein fressen oder uns innerlich zurückziehen, schweigen, vielleicht eine Reaktion verweigern. Angriff ist dann eher das schimpfen, Schreien, Überreagieren, Beschuldigen. Beides tut nicht gut.

Deshalb werde ich dir verschiedene Wege zeigen, auch hier erst mal Raum zu schaffen, also Distanz zwischen dich und deine Emotionen zu bringen. Sie zu beobachten. Wenn man sie erst mal wahrnimmt, kann man sie auch annehmen, erlauben, akzeptieren. Und dann gegebenenfalls transformieren, also auf der Emotions-Leiter hochsteigen. Oder sie ganz loslassen. Das wartet alles auf dich in Modul 2.

Lasse nun heute erst einmal diese Einleitung zum Thema auf dich wirken.

Als Übung und Einstieg, drucke dir doch die PDF von heute aus und notiere dir 3 Gedanken oder Themen, die dir einfallen, die für dich in deinem Leben Emotionen auslösen. Entweder von heute, also was dir heute passiert ist. Oder allgemein, was dir eben jetzt gerade so einfällt. Zum Beispiel: "mein Kleiner trödelt in der Früh schon wieder so" (Gedanke) - Gereiztheit wegen Zeitdruck (Gefühl).

Und hier kannst du dir den Beitrag - z.B. unterwegs - als Audio anhören:

Viel Spaß mit der heutigen Übung und ich freue mich schon auf Kommentare.
 

Überblick- was ist zu tun:

  1. Lasse einfach nur den Text auf dich wirken

  2. Drucke die PDF aus

  3. Notiere dir 3 Gedanken und Gefühle, die für dich miteinander verknüpft sind.

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Verena HaynKommentieren